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Das Alte Forsthaus in Neudling/Freinberg

 


Die Hofanlage des Anwesens Neudling 10 in Freinberg ist ein typischer Vertreter eines Innviertler
Vierseithofs. Vierseithof ist die Bezeichnung für eine Hofform, bei der der landwirtschaftliche
Wirtschaftshof von allen vier Seiten von Gebäuden umschlossen ist, in der Regel vom Wohnhaus, dem
(regional unterschiedlich bezeichneten) Stadel oder der Scheune, dem Getreidekasten, Kornhaus,
Kornspeicher oder dem Getreidespeicher und dem Stall...

Diese Form landwirtschaftlicher Anwesen hat weite Verbreitung gefunden. Mit leichten Unterschieden in der Zweckbestimmung und der Anordnung der Gebäude, der topographischen Lage im Gelände und in der Ausgestaltung (Umzäunung oder Ummauerung) ist der Vierseithof ein sehr charakteristischer Hoftypus. Beim Innviertler Vierseithof sind die vier Gebäude so um den Hof gruppiert, dass die Ecken des Hofs nur durch Tormauern oder Zäune abgeschlossen werden.

Der Vierseithof in Freinberg besteht aus vier Gebäudeteilen, wobei das Wohnhaus und die beiden Ställe
noch im ursprünglichen Zustand erhalten sind. Die Bausubstanz blieb in den vergangenen 100 Jahren
unverändert. Die Hofanlage besteht aus einem Wohnhaus, dessen Unterbau gemauert, das Obergeschoß
aus Holz errichtet ist. Die beiden Stallgebäude befinden sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand.
Beim unteren Stall fällt die Außenmauer ein, beim oberen Stall ist ein Teil des Gewölbes bereits
eingebrochen. Der Stadel, 1948 errichtet, befindet sich in einem guten Zustand. Zum Vierseithof gehören
auch ein Backofen sowie ein Getreidekasten, welche im Westen des Wohnhauses stehen.

Das Alte Forsthaus in Neudling Nr. 10 wird als einer der letzten original erhaltenen „Innviertler
Vierseithöfe“ in diesem geographischen Raum bezeichnet. Das gesamte Ensemble ist als sehr
erhaltenswürdig eingestuft. Ursprünglich hat das Anwesen am 14.8.1879 die Familie Mathias und
Katharina Hüttenberger übernommen. Im Jahre 1909 ging der Hof durch Kaufvertrag vom 15.08.1908 an
Graf Alexander und Gräfin Ottilie von Faber-Castell in den Besitz der gräflichen Familie. Durch Vererbung
kam das Anwesen in den Besitz der Familie Auersperg-Castell.
Der Vierseithof in Freinberg ist vor allem durch die Bezeichnung „Altes Forsthaus“ bekannt. Seine
Namensgebung kommt daher, dass in diesem Anwesen fast 100 Jahre der Förster der „Gräflichen
Forstverwaltung Faber-Castell“ mit seiner Familie gewohnt hat.

Jahrelang konnten Familien Holzreste, die nicht betrieblich genutzt wurden, zu einem günstigen Preis als
sogenannte „Holzwerber“ kaufen. In der Nachkriegszeit befand sich an der gleichen Stelle auch die
Sammelstelle für Heidelbeeren und Himbeeren. Familien war Gelegenheit gegeben, ihre selbst
gepflückten Beeren gegen Bargeld abzugeben, um so ein Zubrot in diesen harten Zeiten zu verdienen.
Im Forsthaus waren aber auch Gäste gerne gesehen. Durch die große Familie des Försters Georg Wenny
waren gesellige Abende keine Seltenheit. Wenn Mitglieder der gräflichen Familie aus Nürnberg nach
Freinberg zu Besuch kamen, wurde im Forsthaus aufgetischt. Besonders geschätzt wurden die exzellente
Küche der Försterfrau, die gute Bewirtung und die gesellige Unterhaltung. Auch Jagdgäste wurden
immer wieder ins Forsthaus eingeladen. Förster Wenny war dafür bekannt, jagdliche Tradition und
jagdliches Brauchtum zu pflegen. Vielen Jagdgästen war es gegönnt, nach einer erfolgreichen Pirsch im
Forsthaus den krönenden Abschluss feiern zu dürfen.

Von Seiten der Gemeinde Freinberg und des Kulturkreises Freinberg wurde viele Jahre lang versucht, eine
Nutzung der Hofanlage zu erreichen. Der Hof stand bis zum Jahre 2008 im Besitz des Grafen Alexander
Faber-Castell. Trotz mehrmaliger Versuche konnte Graf Alexander von Faber-Castell weder zu einer Pacht
noch zu einem Verkauf bewogen werden. Nach der Übernahme des Betriebes „Gräfliche Forstverwaltung
Faber-Castell“ durch Henriette von Auersperg-Castell im Jahr 2009 war es im selben Jahr der Gemeinde
Freinberg möglich, den Hof käuflich zu erwerben.

Nach dem Ankauf im Jahre 2009 wurde in vielen Besprechungen über die Nutzung des Hofes, über die
Finanzierung der Sanierung und über die spätere Verwaltung der Anlage gesprochen und verhandelt.
Letztlich hat sich herausgestellt, dass im finanziellen Bereich seitens der Gemeinde keine wesentlichen
Zuwendungen zu den Sanierungsmaßnahmen zu erwarten sind.
Ein Antrag bei der LEADER-Region Sauwald stellte klar, dass eine Vermessung der einzelnen Gebäude
und der Grundstücke vorgenommen werden kann. Die Finanzierung wurde durch eine LEADER-Förderung
ermöglicht. Die Ergebnisse dieser Vermessung fließen in das künftige Nutzungskonzept ein und sind
sicherlich für die weiteren Sanierungsmaßnahmen von Vorteil.

2011 haben sich Vertreter des Kulturkreises und der Gemeinde Freinberg zusammengeschlossen und
bereit erklärt, das Alte Forsthaus zu sanieren. Ein Aufruf zur freiwilligen Mitarbeit der Gemeindebewohner
wurde getätigt. Eine Gruppe von Idealisten hat sich das Ziel gesetzt, die notwendigen Sanierungsarbeiten
auszuführen, um die Hofanlage zu erhalten und für künftige kulturelle Zwecke nutzbar zu machen. Mit
bescheidenen finanziellen Mitteln und einem immens hohen Einsatz an Eigenleistungen kann 2012 die
Nutzbarkeit des Wohnhauses erreicht werden.

 

 

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